Gruppen-Weihnachtsgrüße
Social Networks sollen doch eigentlich das soziale Leben, den realen Freundschaftskreis, mit dem virtuellem verbinden und so weitere Kontaktmöglichkeiten erschaffen. Oder sie bieten Möglichkeiten, wie man neue Leute - im optimalen Fall erst virtuell und dann auch real - kennen lernen kann. Das ist bei lokalisten nichts anderes als bei ednetz, bei Facebook nichts anderes als bei studiVZ.
Viele Leute haben in derartigen Communitys mehrere hundert (bis hin zu mehreren tausend) Kontakten. “Freunde” nennt sich das im SN-Deutsch. Doch wieviele verdienen denn wirklich den Status “Freund” oder “Freundin”? Das sind doch die allerwenigsten. Ich spreche daher viel lieber von Kontakten.
Aktuell ist es wahnsinnig in über diverse Social Networks Weihnachtsgrüße zu verschicken. Das ist ja auch wahnsinnig toll, man braucht kein eigenes Adressverzeichnis (sei es analog oder im Mail-Client) mehr, da alle “Freunde”, denen man weihnachtliche Grüße zu kommen lassen will, sowieso an einem (oder inzwischen auch an mehreren) Flecken im Internet gesammelt sind.
Ich habe auch nichts gegen Weihnachtsgrüße, wirklich nicht! Ich freue mich drüber - wenn er für mich persönlich geschrieben wurde. Wenn eine Person, die ich evtl. schon länger nicht mehr gesehen hab, erzählt, wie es ihr geht, was sie z.Z. macht, und eine solche Nachricht mit einem netten Weihnachtsgruß verbindet. Ist doch super! Ob das ganze dann als Brief kommt, über nen netten Telefonanruf erledigt wird oder von mir aus auch von einem Social Network oder gerne auch von einer eMail aus geschrieben wird, ist mir letztendlich egal.
Was mir nicht egal ist, ist, wenn die Gruppenfunktionalität eines Adressbuches ausgenützt wird! Dabei ist es mir vollkommen egal, ob es sich dabei um das Adressbuch im Mail-Client oder die Freundesliste in einer Community handelt. Aber wenn einfach alle gesammelten Kontakte/eMail-Adressen genommen und an alle ein kurzer Text (“Hey! Ich wünsche dir frohe Weihnachten! Viele Grüße, …”) gesendet wird, dann ist das einfach nicht der Sinn eines Weihnachtsgrußes.
Der Sinn eines Weihnachtsgrußes ist es, dass man an die Leute denkt, die man grüßt. Und wenn man sich eine Stunde lang hinsetzt und einen Brief oder auch eine digitale Nachricht schreibt, dann ist die Freundschaft wirklich von Bedeutung. Wenn aber auch sehr gute Freunde (gerade wenn man sie schon länger nicht mehr sah) einfach mit einer Massennachricht abgespeist werden, finde ich das wirklich schade. Dann wurde an keinen einzigen gedacht, sondern nur die Pflicht erfüllt, so dass jeder meint, an ihn würde gedacht werden. Und ja, man merkt, ob die eMail noch 280 andere Leute bekommen haben, oder ob sich jemand Arbeit mit einer persönlichen Nachricht gemacht hat!
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! ![]()
Tags: Social Network, web 2.0, Weihnachten
Dezember 24th, 2007 at 3:14 pm
Da stimme ich dir vollkommen zu. Wobei es bei mir noch drastischer mit solchen Glückwünschen ist. Ich denk mir bereits “Oh mein Gott”, wenn ich mitkriege, dass jeder meiner Klasse einer Person zum Geburtstag gratuliert. Das hängt damit zusammen, dass ich auch dahinter nicht viel mehr als eine Abarbeitung der Plicht sehe. “Alles gute zum Geburtstag”. Immer diese Standardphrasen. Wenn ich jemandem zum Geburtstag gratuliere, dann - das gebe ich zu - kommt zwar auch nichts Besonderes, aber wenigstens gibt es dann eine Differenz zwischen Leuten, die mir eher unwichtig sind, (keine Gratulation) und Leuten, die wichtig sind (Gratulation).
Wie schön, dass der Instant Messenger Pidgin meines Wissens nach keine Multi-User-Message-Funktionalität hat. So kann ich gar nicht erst in Versuchung kommen, diesem Konformitätswahn zu folgen.
Auch bei den Freunden muss ich dir - wie privat schon gesagt - recht geben. Der Begriff “Freund” hat heutzutage für viele gar keine besondere Bedeutung mehr, dabei haben wir schon vor einigen Jahren (8. Klasse vielleicht?) in der Schule eine Erörterung darüber geschrieben, ob es nun besser sei, viele oberflächliche Bekannte oder wenige gute Freunde zu haben. Gut, manch einer mag vielleicht die Bekannten besser finden, dann soll er sie aber doch auch “Bekannte” nennen, denn Freunde sind Leute, die mir auch helfen, wenn es mir nicht so gut geht - nicht nur ein Prestige-Objekt, von dem man möglichst viele Ausgaben haben muss.
Ich spreche im RealLife - wie auch schon im privaten Gespräch erwähnt - ebenfalls lieber von “Kontakten”, “Bekannten” oder “Kollegen”.
Immer wenn es um eine bestimmte Gruppierung geht, nehme ich Kollege: cybton-Kollege, Schul-Kollege
Bei ICQ, MSN etc. wähle ich Kontakt: ICQ-Kontakt, MSN-Kontakt
Und ansonsten nehme ich nach Lust und Laune eben “Bekannter”
Dezember 31st, 2007 at 1:45 pm
[…] DAS gilt auch für Silvester…. […]
Januar 2nd, 2008 at 8:11 pm
[…] Gruppen-Weihnachtsgrüße bei brott bloggt. […]
Januar 17th, 2009 at 8:21 am
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